80 Jahre – Ein kurzer Gedanke zum Gedenken

80 Jahre – Ein kurzer Gedanke zum Gedenken

Wenn ich der Befreiung von Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee gedenke, ist mir, als wäre es gestern, heute und morgen im gleichen Augenblick. Eine Falte in der Zeit, ein Riss im Kontinuum. In semantischen Hochseilakten haben wir versucht, unsere Schuld Verantwortung zu nennen. Die Zurufe, diese Vergangenheit endlich ruhen zu lassen, amüsieren mich bitter. Je lauter wir schweigen, umso mächtiger werden die Dämonen, die unsere Kinder nachts heimsuchen.

Die Gedenkstätte ist neben vielem andern auch ein Mahnmal ihrer Zeit: Die Hochblüte der Industrialisierung hatte ihre Effizienz zur Vernichtung von Juden im Dienste einer perversen Ideologie maximal gesteigert. Birkenau war ein nach den Maßstäben und Errungenschaften der Industrialisierung konstruiertes Massenvernichtungslager: Vom höchst Gebildeten akribisch mit dem Taschenrechner geplant. – Wie können wir lernen, wo wir das Unaussprechliche doch nicht begreifen können? Vielleicht, indem wir Fragen stellen: Von wem und wie werden die Massenvernichtungslager im Zeitalter der Digitalisierung konstruiert?

Abends Erica Freeman in der ZIB2. Müde nach einem in vieler Hinsicht anstrengenden Tag rutscht sie aus. Die ZIB spielt das aufgezeichnete Gespräch und desavouriert sie damit. Welch Schande. 

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