Good bye, Joe
Wenn der 83 jährige Joe Biden an diesem Wochenende das Weiße Haus verlässt, wird er sich dabei hoffentlich nicht verletzen. Sollte die Amtszeit seines Nachfolgers Donald Trump die volle Periode dauern, wird er noch ein paar Monate älter sein als Biden, wenn er das Weiße Haus räumen muss.
Biden hatte im Sommer besorgniserregende Aussetzer bei einer TV Debatte gehabt. Der mächtigste Mann war verwirrt und müde und stotterte wirres Zeug vor den Augen der ganzen Welt. Was sich Vladimir Putin wohl gedacht hat, als er das sah? Aber Biden ist kein „Einzelfall“. Auch der greise Republikaner Mitch McConnell hatte mehrmals vor laufenden Kameras vollkommen die Orientierung verloren. Nancy Pelosi, noch älter als Biden und McConnell, hatte Joe Biden im Sommer überreden können, seine Kandidatur zurückzuziehen. Kein aussichtsreicher Demokrat wollte so knapp vor der Wahl in den Ring steigen und seine politische Karriere mit einer bereits damals deutlich absehbaren Wahlniederlage ruinieren. Das emotionale Feuerwerk, das Kamala Harris in einem geradezu aufopferungsvollen Wahlkampf abfeuerte, brachte 1,5 Mrd USD an Wahlkampfspenden, beinahe doppelt so viel wie Trump lukrierte. In Europa hatte sie die Herzen all derer erobert, die in den USA bekanntlich nicht wahlberechtigt sind. Dabei war die Aussenpolitik der Biden Administration eine einzige Katastrophe, die ganz nebenbei einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Rechtsruck geliefert hat.
Bereits ein Jahr nach Bidens Amtsantritt hatten viele geahnt, dass Trump zurückkehren könnte. Ausgesprochen hat es kaum einer und wenn, dann nur hinter vorgehaltenen Hand. Statt der Wahrheit ins Auge zu blicken, hat man sich lieber an realitätsferne Durchhalteparolen geklammert. Mahnungen und Kritik wurden abfällig, geradezu verächtlich beiseite geschoben. Längst kein neues Phänomen mehr im öffentlichen Diskurs.
Seit Obama im Alter mit 49 Jahren seine Präsidentschaft angetreten hat, hat sich die Welt fundamental verändert. Wir weinen seinem „Yes we can“ nach und fürchten uns – nicht zu Unrecht – vor MAGA. Nach der Amtszeit Obamas war Hillary Clinton angetreten. Nicht nur die Frau eines Ex-Präsidenten war (und ist) sie nur ein Jahr jünger als Trump. Rückwärtsgewandter können Signale nicht sein. Das eint die US – amerikanischen Demokraten und die Sozialdemokraten in Europa: Einst progressive Bewegungen sind zu starren erzkonservativen Repräsentanten der Welt von Gestern geworden. Barack Obama hat seinen Amtssitz übrigens im Alter von geradezu kindlichen 57 Jahren geräumt. Er wird nicht wieder kommen. Na dann Bernie Sanders? Er wäre bei seiner Inauguration im Jänner 2029 immerhin erst 88 Jahre alt!
Morgen beginnt also der Weltuntergang. Eigentlich eine gute Gelegenheit, die Vergangenheit loszulassen.