Konstruktion und Dekonstruktion eines Narrativs

Der Deutschnationalismus ist der Grundstein für den Nationalsozialismus und damit für den Holocaust. Die Freiheitliche Partei Österreichs wird von Nationalsozialisten in diesem Geist gegründet. Die wenigen und zaghaften Versuche, die FPÖ in eine liberale Partei zu transformieren, sind zum Scheitern verurteilt. Vom nationalsozialistischen Mief angewidert splittern sich gelegentlich liberale Grüppchen ab, die aber allesamt rasch verwelken.

Trotz der teilweise erstaunlichen Wahlerfolge bleibt die FPÖ klein und radikal, die Personaldecke ist dünn. Aufstieg und Fall der FPÖ (und ihres Ablegers BZÖ) gehen immer mit Korruptionsskandalen einher. Selbst als Haider 5 Millionen Dollar von Saddam Hussein in bar ausgehändigt bekommt und das Geld auf Offshore-Konten verschwindet, tut das seiner Popularität keinen Abbruch, eher im Gegenteil.

Die Verwurzelung in den radikalen deutschnationalen Burschenschaften ist nach wie vor die ideologische Lebensader, die einen nationalsozialistisch geprägten Grundtenor nährt. Ziel ist die gesellschaftliche Spaltung und die Bindung potenzieller Wähler durch eine Radikalisierung. »Wer nicht für uns ist, ist gegen uns« – wobei Thema und politischer Inhalt zuerst einmal egal sind. Medien und Journalismus stehen dieser Taktik bemüht, aber hilflos gegenüber.

Aus heutiger Sicht erschreckend ist, wie sehr der Antisemitismus als politisches Werkzeug noch immer funktioniert, vor allem, wenn man bedenkt, dass die jüdische Gemeinschaft im Holocaust nahezu vollständig vernichtet wurde und 80 Jahre später noch nicht einmal 1/10 ihrer ursprünglichen Größe wiedererlangt hat.

Über Generationen weitergegebene Narrative lösen offenbar auf Knopfdruck unkontrollierte Reflexe aus. Ein Phänomen, das wir auch im Balkankonflikt der 1990er-Jahre erkennen. Die Schlacht auf dem Amselfeld, die im 14. Jahrhundert stattgefunden hat, dient der völkischen Definition einer großserbischen Reichsfantasie. Aus der ideologischen Affinität zu den serbischen Nationalisten macht der damalige FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache bei einer Wahlkampfrede 2008 in Wien Ottakring kein Hehl: »Kosovo je Srbija« (Kosovo ist Serbien), brüllt er vom Podium, und wenige Augenblicke später liefern sich in Österreich geborene serbisch-stämmige Jugendliche mit der Wiener Polizei eine Straßenschlacht.

Wir haben uns entschieden, keine direkten oder indirekten politischen Proponenten des Nationalsozialismus vor der Kamera zu Wort kommen zu lassen. Um das Narrativ des Nationalsozialismus sichtbar zu machen, muss man über, aber sicher nicht mit Nationalsozialisten sprechen. Die Bilder von Auschwitz-Birkenau, Mauthausen oder Dachau sprechen eine eindeutige Sprache, die keiner Relativierung durch die Täter bedarf.

Ein Gedanke zu „Konstruktion und Dekonstruktion eines Narrativs

  1. https://israel-lady.co.il/

    Good post. I learn something totally new and challenging on blogs I stumbleupon every day. It will always be interesting to read through articles from other writers and use a little something from other sites.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.