Die Rede von Franz Vranitzky im historischen Kontext

Vranitzky stellt 1991 in seiner Rede vor dem Nationalrat nicht von ungefähr den Zusammenhang zwischen den Balkankriegen und der Mitschuld und Verantwortung Österreichs am Holocaust her. Fünf Jahre zuvor hatte Jörg Haider die FPÖ mithilfe des deutschnationalen Lagers übernommen, das damals noch aus entnazifizierten Nationalsozialisten besteht. Kurt Waldheim war im selben Jahr trotz seiner Verstrickungen in die Gräueltaten der Deutschen Wehrmacht am Balkan zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt worden. Der Eiserne Vorhang war 1989 gefallen, die Sowjetunion zerbrochen und Deutschland wiedervereinigt.

Slowenien versucht sich im Kielwasser des Mauerfalls gerade von Jugoslawien abzuspalten. Im beginnenden Balkankrieg wird der österreichische Luftraum von jugoslawischen Kampfjets verletzt, Kanonendonner ist in der Südsteiermark zu hören. Das österreichische Parlament beschäftigt die Frage, ob Slowenien als unabhängiger Staat anerkannt werden soll. Die Genozide und Massaker, wie sie wenig später unter anderem in Srebrenica verübt werden, weisen erschreckende Parallelen zu vielen Verbrechen im Holocaust auf. Die Sprache dient dabei zur Definition nationaler – oder sollte man besser sagen: nationalistischer – Einheit.

Einige Jahre später führt die Regierung Vranitzkys Österreich in die Europäische Union. Heute, dreißig Jahre später, sind es der Zerfall und die scheibchenweise Degradierung der Europäischen Union zu einer Freihandelszone, die Frieden, Demokratie und Wohlstand bedrohen.

Ein Gedanke zu „Die Rede von Franz Vranitzky im historischen Kontext

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